Zwischen heute und morgen 2…. Besuch bei Minister und Äbtissin

 

Barockfest in Schloss Miel.

Die Äbtissin und der 1. Minister beehrten uns mit ihrer Anwesenheit.

Im Rheinland befinden sich ,wie auch Westfalen, zahlreiche Adelssitze und Schlösser.

Die meisten sind noch heute von ihren Besitzern bewohnt und nicht zugänglich.

Anders Schloss Miel bei Swisstal, das auch noch mit einer spannenden Geschichte aufwarten kann.

Zunächst ein Rittersitz, kaufte es 1767 Caspar Anton Freiherr von der Heyden genannt Belderbusch, der erste Minister des Kölner Kurfürsten Max Friedrich , der Nachfolger des berühmten Clemens August.

Caspar Anton ,den wir hier des besseren Verständnisses wegen nunmehr Belderbusch nennen wollen, hatte zahlreiche Geschwister. Er war der dritte von fünf Brüdern und fiel als Kind dem damaligen Kurfürsten Clemens August positiv auf, weshalb der ihm den Zugang zu Gymnasium und Universität ermöglichte um ihm dann eine Karriere am Kölner Kurfürstlichen Hof in Bonn zugänglich zu machen.

Dafür war es allerdings notwendig in den Deutschen Orden einzutreten,was Ehelosigkeit nach sich zog. Der deutsche Orden erwartete damals von seinen Mitgliedern im Todesfall mit 2/3 des Besitzes bedacht zu werden.Was ganz sicher dem Grafen nicht gefiel.

Graf Belderbusch wurde so der 1.Minister( heute würde man es Kanzler nennen) des Nachfolgers von Clemens August , Max Friedrich von Königsegg Rothenfels, der wenig Interesse an Politik hatte, so das Belderbusch, der außer seinem Amt als 1. Minister auch viele andere Ministerposten inne hatte,ausgestattet mit großer Macht, schalten und walten konnte wie er wollte.

Graf Belderbusch hatte auch einen starken Familiensinn.

Beim Kauf von Miel half ihm sein Bruder Maximilian , der als „Käufer“ auftrat, das war preiswerter als wenn der Graf selbst in Erscheinung getreten wäre. Auch damals richtete sich die Höhe des Preises ein wenig nach dem Käufer.

Maximilian war mit eine Gräfin Satzenhofen verheiratet. Und Graf Belderbusch hatte eine amouröse Beziehung zu deren Schwester Caroline von Satzenhofen, der Äbtissin des Damenstiftes in Villich.

Das durfte natürlich ,auch im recht wenig sittenstrengen Barock ,nicht sichtbar werden. Gewusst haben es viele.

So ist das am Haus angebrachte Doppelwappen derer von Belderbusch und derer von Satzenhofen auch ein wenig doppeldeutig. Denn offiziell waren ja Maximlian und seine Frau Eigentümer und Bewohner des Hauses, aber in wirklich bewohnte das Anwesen Graf Belderbusch mit seiner Lebensgefährtin.

Miel wurde als „Maison de Plaisance“ gebaut. Als privates Refugium.

Caroline?

In dem Graf Belderbusch mit Caroline zusammenleben konnte. Caroline hatte im Haus ihre eigenen Räume.

Supraporte

Im Gartensaal findet am in einer Supraporte über dem Haupteingang das Bild einer Dame in höfischer Kleidung, eine Hommage an Caroline.Der Gartensaal ist mit jahreszeitlichen Bildern geschmückt die im Winter 1771/72 entstanden und seit dem niemals restauriert wurden.

Kurfürst Max Friedrich von Königsegg Rothenfels

An der dem Haupteingang gegenüberliegenden Wand sieht man das Bild des Kurfürsten Max Friedrich, das war zur damaligen zeit so üblich das Bild des Landesherren wurde an prominenter Stelle aufgehängt. In diesem Fall war der Landesherr ja auch noch der Arbeitgeber des Herrn Grafen. Das Bild des Grafen selber kann im Billardsaal in der ersten Etage angesehen werden, der Billardsaal befindet sich direkt über dem Gartensaal.

Graf Belderbusch

Auf halber Höhe der Treppe gibt es eine Nische , welche die Funktion einer Kapelle hatte. Belderbusch wollte Caroline das angestarrt werden in der nahegelegenen Dorfkirche ersparen, weshalb er bei der römischen Kurie um die Erlaubnis bat, die Messe in seinem Haus lesen lassen zu dürfen.

Caroline und Caspar Anton blieben ihr Leben lang zusammen und aus der Verbindung gingen zwei Kinder hervor, die allerdings der Öffentlichkeit als Kinder Maximilians und seiner Frau präsentiert wurden. Die Wahrheit hätte für Eltern und Kinder zu gesellschaftlicher Ächtung, wenn nicht schlimmeren ,geführt. Belderbuschs Sohn , der offizieller Lesart zufolge sein Neffe war, macht zunächst am Kurkölnischen Hof Karriere und später in Paris.

Wir waren auf dem Barockfest und trafen Belderbusch und seine Lebensgefährtin.

Oder …doch nicht??

 

Schloss Miel

Schlossallee 1

53913 Swisstal Miel

Erwachsene 3€ Kinder 1€ ohne Führung

 

 

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