Nicht nur Charleston und Bubikopf

 

Die Zwanziger wurden nicht nur von der Wirtschaftskrise gebeutelt, es gab lange vorher eine Wohnungskrise. Die Menschen fanden einfach keine bezahlbaren Wohnungen, hausten in Hütten wie heutzutage die Slums in verschiedenen Entwicklungsländern aussehen.Wohnungsnot gibt es also nicht erst seit heute.

Köln, Festungsstadt, durfte lt .Rayonbestimmungen für Festungen, viele Grundstücke nicht bebauen .Es wurde freie Schussbahn verlangt, was die Stadt in ihren Bestrebungen sich auszubreiten reichlich einschränkte.

Erst mit dem Ende des ersten Weltkrieges änderte sich die Lage und es wurde die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Das war 1919.

Am sogenannten äusseren Festungsring wurde die Germania Siedlung, eine der größten zusammenhängenden Wohnsiedlungen Deutschlands ,in den Jahren von 1920 bis 1928 ,erbaut. Benannt nach der naheliegenden Zeche Germania, die aber wegen Unwirtschaftlichkeit bald geschlossen wurde. Davon sieht man auch heute nichts mehr im Viertel.

Die Germania Siedlung mit 1500 Wohnungen , wurde als Gegenentwurf zu den besseren Stadtteilen auf der rechten Rheinseite ,Klettenberg und Lindenthal geplant. Man wollte zeigen, auch auf der linken Seite des Rheines, in Höhenberg, konnte man gut wohnen. Allerdings legten die Planer auch Wert auf eine gute Durchmischung von höheren Beamten ,Angestellten und Arbeitern ,so wurden viele verschiedene Wohnungstypen gebaut ,1 Raum Wohnungen ebenso wie 4 Zimmerwohnungen. Man war von neuen Bauformen wie Bauhaus inspiriert . Das kann man heute noch an Erkern und künstlerisch gestalteten Hauseingängen sehen.

Bei der dringend notwendigen Sanierung der Wohnanlage gestaltet dann die GAG mit Hilfe des Kölnischen Stadtmuseums und des Fördervereins Höhenberg ,eine Musterwohnung der 2oer Jahre.

In diesem Falle eine 4 Zimmer Wohnung, mit ,das war damals der absolute Luxus ,getrennter Toilette und Bad.Dort kann man sehen wie damals die Menschen lebten, obwohl ganz klar, es ist eine Museumswohnung, dort hat so wie sie heute ausgestattet ist nie jemand gelebt.

Trotzdem gewährt sie einen guten Einblick wie man damals ganz modern mit Kühlschrank und Fliegenschrank in der Speisekammer lebte. Kühlschrank? Ja, ein oder zweimal die Woche kam der Lieferant von Stangeneis.

Der kam allerdings nur wenn in der Gegend auch eine Kneipe war, die ebenfalls Stangeneis benötigte.

In der Germania Siedlung wurde von Beginn an dafür gesorgt das es Raum für Geschäfte und Gaststätten gab.

Gebadet wurde üblicherweise Samstags und da das anheizen des Badeofens nicht so schnell und einfach ging, war es durchaus üblich , das mehrere Familienmitglieder das gleiche Badewasser nacheinander benutzten.

Spannend in der Musterwohnung die kleinen Teile die es damals schon gab Dr. Oettkers Puddingpulver,der Messbecher , den wir gut 50 Jahre später im gleichen Design hatten.

Oder damals ganz neu , wer von der jüngeren Generation weiß noch genau wie sie funktioniert, die Schreibmaschine. Der mechanische Vorgänger unseres Computers.

Die Musterwohnung der GAG ist Dienstag und Donnerstag von

10:00H -12:00H und von 14:00H-16:00H geöffnet sowie jeden

1.und 3. Sonntag von 14:00H – 16:00H

Weimarer Straße 15

51103 Köln

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter ...in und umzu, 1.Weltkrieg, Köln abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Nicht nur Charleston und Bubikopf

  1. kristallundrosen schreibt:

    Da sieht man mal wie lange so etwas produziert wird.

    Gefällt 1 Person

  2. Den gleichen Messbecher habe ich auch! ❤

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.