Wie sich die Zeiten ändern…

Neulich besuchten wir das Kölner Wallraff Richards Museum, wo man anhand verschiedener Bilder aus dem 19.Jahrhundert gut nachvollziehen Konnte, wie sich sich das Familienleben bis in die heutige Zeit verändert hat.

So gab es das Bildnis der Familie Werbrun aus dem Biedermeier. Hier hat die Mama Namenstag das kann man auch ganz gut aus den Geschenken die ,die Kinder der Mama bringen herauslesen.Der Junge vor in der blauen Jacke hält eine Brief ein Gedicht in der Hand auf dem man lesen kann ,der Mutter zum Namenstag.

Man kann auch gut sehen Vater ist das eindeutige Oberhaupt ,derjenige der zumindest nach außen das sagen hat, bestimmt. Die Kinder scheinen ja mehr der Mama zugeneigt, wie wohl auch heute noch in vielen Familien. Trotzdem wirkt der Vater freundlich, ein wenig vielleicht noch Napoleon und den freiheitlichen Idealen der französischen Revolution zugeneigt, wenn man betrachtet, wie er seine Hand in die Weste steckt, eine Geste die man auch bei Napoleon sehen kann. Trotzdem Herr Werbrun hat etwas zu sagen, stellt etwas dar in der damaligen Gesellschaft, seine Frau trägt ein Seidenkleid. Simon Meister : Familie Werbrun 1834dsc04912

Ganz anders das Bild der Familie Wilhelm von Harnier, 1838.

Der Maler war todkrank, das kann man an der Arzneiflasche links sehen. Während er an der Staffelei sitzt , scheint seine Frau zu betrachten ,was er da malt. Die Kinder spielen im Atelier. Dieser Mann war sicher kein strenger biedermeierlicher Familienvater , man hat eher den Eindruck dort war die Gleichberechtigung von Mann und Frau schon angekommen , was bestimmt in dieser Zeit nur in Künstlerkreisen möglich war.dsc04914

Ganz anders wieder das Bild der Familie Begas aus dem Jahre 1821.

Die Struktur ist festgelegt , über allem steht der strenge Vater. Sehr selbstzufrieden sieht er aus, der Herr Landgerichtspräsident mit seiner Pfeife. Er hat etwas erreicht, nun genießt er den Wohlstand, das wohlgeordnete Heim , in dem Frau und Kinder immer fleißig wirken. Es galt damals als Tugend immer etwas zu tun, fleißig zu sein , sich nicht gehen zu lassen . Der Maler, ein Sohn des Landgerichtspräsidenten, hat sich selbst am Rande des Bildes dargestellt. Er beobachtet das Geschehen um Eltern und Geschwister. Der alte Landgerichtspräsident hatte auch etwas gegen die Berufswahl des Sohnes, es war ihm wohl nicht ernsthaft genug..Künstler! Wie kann man das werden wollen? Die Mutter macht im Gegensatz zur im Bild der Familie Werbrun dargestellten Frau und Mutter, nicht den Eindruck, als hätte sie viel zu sagen, als ob ihre Meinung bei ihrem strengen Mann viel Gehör finden würde oder sie gar selbst etwas entscheiden könnte, wenn man den Kopf sieht, ernst schaut sie ihn gar nicht an,sie scheint die Tochter mit Gitarre im lila Kleid anzusehen. Außerdem steht er, hat geradezu vor ihr in all seinem selbstbewussten Habitus aufgebaut, während sie tief unter ihm sitzt .dsc04918

Bezeichnend für die damalige Zeit fand ich aber auch ein Bild, das so gar keine Familie darstellt nur wie es eben zuging damals…

Middy´s Predigt 1853 von Henry Ritter

Drei erwachsene Männer stehen leicht betreten, weil angeheitert ,von einem Jungen in Uniform eines Seekadetten ( Middy= midshipman) der sie heftig ,streng rügt. Welcher Erwachsene würde sich wohl heute von einem Jungen vielleicht 12-13 Jahre alt ,etwas sagen lassen? Welcher Erwachsene würde sich wie unsere drei abgebildeten Matrosen, weil er etwas getrunken hat ,vor einem Kind versuchen zu rechtfertigen? Würde man sich im Berufsleben denn diese Szene stellt ja den Beruf dar, von einem Teenager eine Anweisung geben lassen? Wohl eher nicht-.dsc04922

So ändern sich die Zeiten, die Frauen sind heute schon lange gleichberechtigt, müssen sich vom Ehemann und so volljährig vom Vater nichts mehr sagen lassen, üben einen Beruf aus.die Kinder wählen ihre Ausbildung selber, kein Elternteil käme wohl heute auf die Idee, nicht einverstanden zu sein mit der kindlichen Berufswahl, man berät natürlich auch noch die Kinder diesen oder jenen Beruf vielleicht lieber nicht zu wählen.Bestimmen tun sie selber.

Dafür werden Jugendliche mit Sicherheit nicht mit Weisungsbefugnis gegenüber Erwachsenen ausgestattet, Und kein heutiger Erwachsener würde sich von einem Jugendlichen so abkanzeln lassen , wie das der Middy auf dem Bild mit den drei Seeleuten tut.

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